ERÖFFNUNG  DER AUSSTELLUNG
KATRIN FREUDENBERGER
ENBW-GALERIE IM RUNDBAU DES
KERNKRAFTWERKS NECKARWESTHEIM         
AM 22. FEBRUAR 2008
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In einer Pressevorankündigung für diese Ausstellung mit Bildern von Katrin Freudenberger aus Bietigheim-Bissingen ist unter anderem von „feurigen Bildern“ die Rede. Diese Worte erscheinen auch im hier vorliegenden Begleittext und sie sind auf einen Bericht zurückzuführen, den ich vor mehreren Jahren in der Ludwigsburger Kreiszeitung veröffentlichte. „Feurige Bilder“ war damals im Jahr 2003 der Titel einer Hausausstellung der Künstlerin, über die ich berichtete. In der Zwischenzeit hat sich, wie dies von einer dynamisch sich entwickelnden Malerin erwartet werden kann, einiges an der Bildgestaltung von Katrin Freudenberger deutlich verändert. Ohne Frage sind ihre Werke, wie sie hier in der Galerie im Rundbau gezeigt werden, nach wie vor im besten Sinn des Wortes „feurig“. Dies bezieht sich sowohl auf die glutvollen Farben als auch auf die energiegeladene Schöpfung der Arbeiten, die mit Acrylfarben und Kreiden ausgeführt wurden.  Doch wenn wir den Begriff „feurig“ in eine Beziehung zur Farbe „Rot“ setzen, dann konnten Sie gewiss beim ersten Rundgang durch diese vielseitige und umfangreiche Ausstellung erkennen, dass Rot keineswegs den allein beherrschenden Farbton in den Exponaten darstellt. Aber als die von Katrin Freudenberger so bezeichneten „Feuerbilder“ entstanden, da war es in der Tat überwiegend „Rot“, das die Künstlerin in allen nur erdenklichen Nuancen und Versionen anwandte. Sie war regelrecht fasziniert, ja vielleicht sogar berauscht von diesem Farbton. Einige der hier gezeigten roten Bilder vertragen durchaus das Adjektiv „feurig“.
Im Lauf der Jahre hat, wie Katrin Freudenberger dieser Tage im Vorgespräch zu dieser Ausstellung einräumte „Rot vollständig ausgekostet“. Die Farbe verschwindet bei ihr jetzt nicht in der Versenkung, verlor jedoch unbestreitbar ihre dominante Stellung. Unverändert artikuliert die Malerin ihren Mut zur Farbe, besser gesagt, zu deren Mischung. Die Ausstellung enthält Werke, in denen sie ungewohnte, eigenwillige, originelle Farbtöne zur Geltung kommen lässt. Die darin von der Künstlerin angewandten Farbnuancen sind völlig losgelöst von der Realität des Motivs und des ausgewählten Themas. Es ist ja unübersehbar, dass es ihr nicht um die naturalistische Wiedergabe einer Figur oder einer Form in einem Bild geht, sondern um eine innere Auseinandersetzung mit diesen. 
Die heutige Ausstellung dokumentiert  aber zwei herausragende und absolut unübersehbare Veränderungen im Schaffen der Bietigheimer Künstlerin. Erstens: die von ihr angewandte Farbpalette ist detaillierter geworden. Grün, Blau und auch Grau nehmen immer mehr an Bedeutung in der Bildgestaltung zu. Zweitens: die menschliche Figur tritt in den neuen Werken von Katrin Freudenberger deutlich in das Zentrum ihres Schaffens. Im Erdgeschoss hat Galerist Willy Dorn, nein, das ist nicht mehr korrekt, Wassilis Dornakis muss ich sagen, eine Reihe von Werken angeordnet, in denen Menschen dargestellt werden. Die Figuren sind schmal, fast bis auf Grundformen reduziert und sie zeigen einen verschlossenen Gesichtsausdruck, der sich durchaus auch als archaisch bezeichnen lässt, und doch richten sich die Augen mit geradezu magischer Wirkung auf den Betrachter. In anderen Bildern erscheinen Gesichter geheimnisvoll, mystisch, ja man kann sie wie Visionen aus einem Schattenreich empfinden. Menschliche Gestalten können gelegentlich auch nur noch als Silhouetten oder schemenhaft wahrgenommen werden. Aber eben das ist das Neue an den Werken von Katrin Freudenberger, dass sie den Menschen in dieser konzentrierten Form mehr in den Mittelpunkt ihrer aktuellen Schaffensperiode stellte.
Doch ein vermehrter Ansatz zu konkreten Formen ist auch an den weiteren neuen Arbeiten der Künstlerin zu erkennen. Aus Landschaft und Architektur bezog Katrin Freudenberger schon immer vielschichtige Inspirationen. Diese Motive gewinnen aber nun vermehrte Beachtung, erscheinen zwar verfremdet, ähnlich wie die Menschengestalten sind sie auch deutlich auf die nötigsten Grundformen verkürzt, so dass sie gerade eben noch beispielsweise als Baum oder Haus erkennbar bleiben, nehmen aber in den aktuellen Werken einen Platz ein, an dem sie als markante Form  unübersehbar sind. Doch bei der Darstellung von Gebirge hielt sich Katrin Freudenberger kaum noch mit Details auf. Eigentlich sind es massiv angelegte quaderförmige Farbblöcke, die sich in diesen Exponaten kraftvoll auftürmen und damit die urgewaltige Wirkung einer Gebirgslandschaft in Erscheinung treten lassen. Daneben entdeckt man beim Rundgang durch die Ausstellung weiträumige, abstrakte Landschaften, welche die Malerin mit vitalen Farbkontrasten strukturierte und in denen augenfällige Motive wie etwa Bäume oder Häuser wirklich nur noch erahnbar sind. Etwas Ruhevolles geht von diesen Bildern aus, ohne dass deren Ausdruck etwas an dynamischer Spannung missen ließe.  
Mit dem für Katrin Freudenberger typischen virtuosem  Farbeneinsatz verleiht sie ihren Werken gleichermaßen Dichte und Opulenz. Nachhaltig besticht überdies die von mir bereits erläuterte äußerst sparsame Formensprache. Doch tritt auch immer wieder deutlich zu Tage, dass  in den mit  immensem malerischem Temperament geschaffenen Bildern Rückbezüge auf eine reale Formenwelt wahrnehmbar sind. Sie können  durchaus als „Zitate" aus der Realität empfunden werden.  Die Werke von Katrin Freudenberger belegen nicht zuletzt auch die Fähigkeit der Malerin, die Fläche mit großer Virtuosität zu beherrschen. So entstanden Bildkompositionen expressiven Charakters, die in ihrer Dichte und Ausdrucksfülle faszinieren. Sie lassen Spontaneität und Emotionalität beim Malen ebenso erkennen, wie in sich gekehrte Besinnung oder bildhafte Gestaltung tiefer, inniger Gefühlswelten.
Zum ersten Mal zeigt Katrin Freudenberger in einer Ausstellung auch drei Skulpturen aus Holz. Dabei handelt es sich um bereits gebrauchte, irgendwo auf einem Bau verwendeter Bretter, an denen die Spuren früherer Bearbeitung noch erkennbar sind. Die vielseitige Künstlerin empfing, als sie das Material irgendwo liegen sah, einen plötzlichen Impuls, der ihr sagte, dass sie daraus Kunstwerke gestalten könnte. Zum Teil bemalte sie die Bretter, beispielsweise mit Acrylbarbe in einem leuchtenden Rot oder sie fügte kleine Teile zu einer Skulptur mit dem Titel „Begegnung“ zusammen. Diese Arbeiten sind Experimente auf einem für Katrin Freudenberger relativ neuen Feld künstlerischer Betätigung. Wir dürfen gespannt sein, was sich da noch in Zukunft entwickeln mag.
Diese Ausstellung zeigt im übrigen auch die unverändert große Bedeutung der Grafik im Schaffen der Bietigheimer Künstlerin. Das hat seinen Ursprung in der Tatsache, dass sie das Fach Grafik-Design studierte und bei mehreren Werbeagenturen als Grafikerin tätig war. Auch die gelegentliche Einfügung von Schrift in einzelnen Bildern ist für Katrin Freudenberger eine Möglichkeit, Gedanken und Empfindungen sichtbar zu machen. Wir sehen hier im Erdgeschoss im hinteren kleinen Flur ein großformatiges Gemälde, in welchem sie ein Gedicht von Joseph Beuys mit einer Fülle freundlicher Empfehlungen für unbeschwerte und von Zwängen losgelöste Lebensführung in schön geschwungener Schrift integrierte. Ich zitiere es zum Abschluss meiner Betrachtungen zum aktuellen Schaffen von Katrin Freudenberger.
„Lass Dich fallen. - Lerne Schlangen zu beobachten. - Pflanze unmögliche Gärten. - Lade jemand Gefährlichen zum Tee ein. - Mache kleine Zeichen, die "ja" sagen und verteile sie überall in Deinem Haus.
- Werde ein Freund von Freiheit und Unsicherheit. - Freue Dich auf Träume. - Weine bei Kinofilmen. -
Schaukel so hoch Du kannst mit einer Schaukel bei Mondlicht. - Pflege verschiedene Stimmungen. -
Verweigere Dich "verantwortlich" zu sein. - Tu es aus Liebe. - Mach eine Menge Nickerchen. -  Gib Geld weiter. Mach es jetzt. Das Geld wird folgen. - Glaube an Zauberei. - Lache eine Menge. - Bade im Mondlicht. Träume wilde, fantasievolle Träume. - Zeichne auf die Wände. - Lies jeden Tag. - Stell Dir vor, Du wärst verzaubert. - Kichere mit Kindern. - Höre alten Leuten zu. - Öffne Dich. Tauche ein. Sei frei. -
Preise Dich selbst. - Lass die Angst fallen. - Spiele mit allem. - Unterhalte das Kind in Dir. - Du bist unschuldig. - Baue eine Burg aus Decken. - Werde was. - Umarme Bäume. - Schreibe Liebesbriefe“.

Rudolf Wesner