Ich hatte es wieder einmal geschafft. Eine Woche Malen in der Toskana.
7 Teilnehmer
konnte ich begeistern - mit meinem Mann und mir dann eine 9er-Truppe.
Drei der Maler kenne ich schon: Doro, mit noch nicht vierzig die jüngste,
farb- und formengewaltige Malerin, Rosemarie, die große Dame, silbergraues
Haar, ein riesig großes Herz, die "alte" junge Wilde (sie
ist über 70!) und Margit, die Wienerin mit dem Lachen, das jeden Raum
füllt und durch das sie jederzeit aufzuspüren ist. Wir drei kennen
uns schon lange, da sind Überraschungen ausgeschlossen.
Am Samstag geht´s dann in aller Herrgottsfrühe auf die Autobahn
Richtung Italien. Der Wagen ist gepackt, mit allem, was das Malerherz begehrt.
Das Treffen ist ausgemacht in unserem Quartier, der "Villa Vacanze"
bei Gina und Silvano Manetti - zu den beiden später mehr.

Die Villa Vacanze thront, vollkommen abseits, auf einem der unzähligen
toskanischen Hügel und ist trotz Wegbeschreibung schwer zu finden. Astrid
kommt, leicht genervt, gerade noch rechtzeitig zum Abendessen. Als wir ankommen,
Hildegard ist mit uns gefahren, sind Rosi aus Bietigheim und Peter aus Österreich
schon da. Peter hat die Malreise zum Abschied ins Pensionsalter von seiner
"Kompanie" geschenkt bekommen. Rosemarie, Margit und Doro kommen
dazu. Die Begrüßung ist herzlich, freut sich doch jeder auf eine
kreative Woche Toskana pur. Wir haben das gesamte Anwesen mit schönem
Pool fast für uns alleine.
Autos werden ausgeladen, Farben, Leinwände, Skizzenblöcke, Papiere
verstaut, Zimmer bezogen. Die Zimmerverteilung* klappt auch in diesem Jahr
nicht 100%ig, irgendwie ist immer ein Zimmer zu wenig; aber ich habe aus dem
letzten Jahr gelernt und mit genügend Durchhaltevermögen lässt
sich dann doch alles zu unserer Zufriedenheit lösen.
Bim oppulenten Abendessen beschnuppern wir uns ausgiebig, der gute Chianti
tut seinen Teil dazu, und es wird klar, wir haben eine gesellige und schaffenswillige
Gruppe beisammen.
* vielleicht weil Gina, die honorige 80jährige Chefin des Hauses, alle
Reservierungen, auf einen karierten Block notiert und rätselhaft bleibt,
wie man da den Überblick behalten kann.
Am nächsten Morgen dann die erste Überraschung: ausbreiten wollen
wir uns auf der großen Terrasse direkt am Pool, die großen Holztische
bereitstellen: weit gefehlt! Silvano mit seinen Mannen ist dabei, Tische und
Tafeln festlich einzudecken - eine Hochzeitsgesellschaft wird erwartet. Uns
bleibt der Rückzug. In den abgelegeneren Teil der Anlage zwischen den
alten, knorrigen Olivenbäumen. Erst mal schauen, die traumhaft schöne
Landschaft auf sich wirken lassen... Auf den Zeichenblöcken wird skizziert,
dass die Kohle nur so rauscht. Für mich Gelegenheit, die "Neuen"
einzustufen und erste Tipps zu geben. Der Tag vergeht schnell.
Tiefbefriedigt versammeln wir uns zum Abendessen um unseren großen Tisch:
Gina hat noch immer das Regiment in der Küche, sie kocht nach alten überlieferten
Rezepten der Großmutter. Es fehlt an nichts und alles schmeckt wunderbar:
die selbstgemachte Pasta, die überbackenen Muscheln, die Rosmarinkartoffeln
... . Serviert wird alles von Ginas Bruder Silvano - ein Künstler, der
Teller und Schüsseln nicht einfach abstellt, mitnichten - Silvano kredenzt!
Zu klassischer Musik in angenehmer Lautstärke schwebt er sozusagen, immer
mit einem verspielten Lächeln um die Lippen, durch den Saal. Allein ihn
zu beobachten ist eine Reise wert.
Nach einem hausgemachten Grappa ziehen wir uns auf einen Schlummertrunk auf
einen der Balkone zurück und tatsächlich werden wir für den
Trubel des Tages mit einem sagenhaften Feuerwerk direkt vor unserer Nase versöhnt.

Am
nächsten Tag packen wir dann endlich alle Farben aus - ruckzuck sind
alle mittendrin im Schaffen - die Skizzen vom Vortag werden umgesetzt, Farben
werden gemischt, gerührt, Pinsel, Spachtel, Lappen, Schwämme kommen
zum Einsatz. Noch zaghaft beim einen, schon ganz frei beim anderen. Bei gutem
Milchkaffee gibt´s am Nachmittag die erste gemeinsame Bildbesprechung.
Es ist
für mich immer wieder faszinierend und spannend, wie jeder seinen eigenen
Stil findet oder weiterentwickelt.
Die Tage vergehen, auf ehemals weißen Papieren und Leinwänden entstehen
farbgewaltige, dynamische oder stille ruhige Landschaften. Flächen, Formen
und Linien werden kombiniert und komponiert und besonders Peter findet von
beschaulicher Aquarell- zur expressiven Acrylmalerei.
Die Farbtöpfe und -tuben leeren sich, z. T. muss sogar nachgekauft werden,
und als wir uns am Samstag bei Sonnenaufgang zum letzten Espresso zum Abschied
nehmen treffen, hat wohl jeder ein weinendes und ein lachendes Auge. Es war
eine supertolle Woche, beste Bilder sind entstanden und man könnte gut
und gerne noch eine Woche bleiben. Freunde sind wir geworden und vielleicht
treffen wir uns ja alle wieder: bei Gina und Silvano oder ganz woanders!
