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reisebericht toskana 2003                                  
malreisen katrin freudenberger

Ich hatte es wieder einmal geschafft. Eine Woche Malen in der Toskana.

7 Teilnehmer konnte ich begeistern - mit meinem Mann und mir dann eine 9er-Truppe.
Drei der Maler kenne ich schon: Doro, mit noch nicht vierzig die jüngste, farb- und formengewaltige Malerin, Rosemarie, die große Dame, silbergraues Haar, ein riesig großes Herz, die "alte" junge Wilde (sie ist über 70!) und Margit, die Wienerin mit dem Lachen, das jeden Raum füllt und durch das sie jederzeit aufzuspüren ist. Wir drei kennen uns schon lange, da sind Überraschungen ausgeschlossen.
Am Samstag geht´s dann in aller Herrgottsfrühe auf die Autobahn Richtung Italien. Der Wagen ist gepackt, mit allem, was das Malerherz begehrt. Das Treffen ist ausgemacht in unserem Quartier, der "Villa Vacanze" bei Gina und Silvano Manetti - zu den beiden später mehr.



Die Villa Vacanze thront, vollkommen abseits, auf einem der unzähligen toskanischen Hügel und ist trotz Wegbeschreibung schwer zu finden. Astrid kommt, leicht genervt, gerade noch rechtzeitig zum Abendessen. Als wir ankommen, Hildegard ist mit uns gefahren, sind Rosi aus Bietigheim und Peter aus Österreich schon da. Peter hat die Malreise zum Abschied ins Pensionsalter von seiner "Kompanie" geschenkt bekommen. Rosemarie, Margit und Doro kommen dazu. Die Begrüßung ist herzlich, freut sich doch jeder auf eine kreative Woche Toskana pur. Wir haben das gesamte Anwesen mit schönem Pool fast für uns alleine.
Autos werden ausgeladen, Farben, Leinwände, Skizzenblöcke, Papiere verstaut, Zimmer bezogen. Die Zimmerverteilung* klappt auch in diesem Jahr nicht 100%ig, irgendwie ist immer ein Zimmer zu wenig; aber ich habe aus dem letzten Jahr gelernt und mit genügend Durchhaltevermögen lässt sich dann doch alles zu unserer Zufriedenheit lösen.
Bim oppulenten Abendessen beschnuppern wir uns ausgiebig, der gute Chianti tut seinen Teil dazu, und es wird klar, wir haben eine gesellige und schaffenswillige Gruppe beisammen.

* vielleicht weil Gina, die honorige 80jährige Chefin des Hauses, alle Reservierungen, auf einen karierten Block notiert und rätselhaft bleibt, wie man da den Überblick behalten kann.


Am nächsten Morgen dann die erste Überraschung: ausbreiten wollen wir uns auf der großen Terrasse direkt am Pool, die großen Holztische bereitstellen: weit gefehlt! Silvano mit seinen Mannen ist dabei, Tische und Tafeln festlich einzudecken - eine Hochzeitsgesellschaft wird erwartet. Uns bleibt der Rückzug. In den abgelegeneren Teil der Anlage zwischen den alten, knorrigen Olivenbäumen. Erst mal schauen, die traumhaft schöne Landschaft auf sich wirken lassen... Auf den Zeichenblöcken wird skizziert, dass die Kohle nur so rauscht. Für mich Gelegenheit, die "Neuen" einzustufen und erste Tipps zu geben. Der Tag vergeht schnell.
Tiefbefriedigt versammeln wir uns zum Abendessen um unseren großen Tisch: Gina hat noch immer das Regiment in der Küche, sie kocht nach alten überlieferten Rezepten der Großmutter. Es fehlt an nichts und alles schmeckt wunderbar: die selbstgemachte Pasta, die überbackenen Muscheln, die Rosmarinkartoffeln ... . Serviert wird alles von Ginas Bruder Silvano - ein Künstler, der Teller und Schüsseln nicht einfach abstellt, mitnichten - Silvano kredenzt! Zu klassischer Musik in angenehmer Lautstärke schwebt er sozusagen, immer mit einem verspielten Lächeln um die Lippen, durch den Saal. Allein ihn zu beobachten ist eine Reise wert.
Nach einem hausgemachten Grappa ziehen wir uns auf einen Schlummertrunk auf einen der Balkone zurück und tatsächlich werden wir für den Trubel des Tages mit einem sagenhaften Feuerwerk direkt vor unserer Nase versöhnt.


Am nächsten Tag packen wir dann endlich alle Farben aus - ruckzuck sind alle mittendrin im Schaffen - die Skizzen vom Vortag werden umgesetzt, Farben werden gemischt, gerührt, Pinsel, Spachtel, Lappen, Schwämme kommen zum Einsatz. Noch zaghaft beim einen, schon ganz frei beim anderen. Bei gutem Milchkaffee gibt´s am Nachmittag die erste gemeinsame Bildbesprechung.

 

Es ist für mich immer wieder faszinierend und spannend, wie jeder seinen eigenen Stil findet oder weiterentwickelt.
Die Tage vergehen, auf ehemals weißen Papieren und Leinwänden entstehen farbgewaltige, dynamische oder stille ruhige Landschaften. Flächen, Formen und Linien werden kombiniert und komponiert und besonders Peter findet von beschaulicher Aquarell- zur expressiven Acrylmalerei.
Die Farbtöpfe und -tuben leeren sich, z. T. muss sogar nachgekauft werden, und als wir uns am Samstag bei Sonnenaufgang zum letzten Espresso zum Abschied nehmen treffen, hat wohl jeder ein weinendes und ein lachendes Auge. Es war eine supertolle Woche, beste Bilder sind entstanden und man könnte gut und gerne noch eine Woche bleiben. Freunde sind wir geworden und vielleicht treffen wir uns ja alle wieder: bei Gina und Silvano oder ganz woanders!

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